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Philosophie & Dosenfisch

Eine gewisse Grund-Verrücktheit gestehe ich mir heute zu, denn ich ich habe gegen 09:24 Uhr meine Magisterarbeit abgegeben. (Vielen Dank an die freundliche Dame im Prüfungsamt, die einen auch ne halbe Stunde vor Öffnungszeit schon einlässt und einem dann auch noch den gutgemeinten Ratschlag gibt, bloß nicht sofort "weiter" zu lernen.) Nachdem gestern im Copy Shop schon die ersten groben Schnitzer ins Auge sprangen, aber geflissentlich ignoriert wurden, hab ich sie heute morgen in die Uni getragen ohne noch einen einzigen Blick hinein zu werfen (und das ist sicher auch besser so). Leider fühle ich mich, was Fragen der Sterblichkeit und des Todes auf philosophischer Ebene betrifft, nicht wirklich kompetenter als vor einem halben Jahr, aber so geht halt Philosophiestudium (und dass man nicht mehr weiß als vorher, ist ja jetzt irgendwie auch eine total laaaahme Erkenntnis).

Obwohl ich also heute das Recht habe, komische Dinge zu tun, zu sagen, zu denken, muss ich schon sagen, dass ich meinen aktuellen Geisteszustand ein bisschen merkwürdig, vielleicht auch bedenklich finde. Ich denke nämlich nicht an totales Besäufnis oder so, was ja eigentlich durchaus angebracht wäre, sondern irgendwie nur an...ja, an Folgendes.

Samstag nacht, da hatte ich wohl ein bisschen wenig Nahrung, ein bisschen viel Alkohol zu mir genommen, sagte mein Bruder zu mir: "Nimm dir eine Dose Ölsardinen aus dem Schrank!" und ich öffnete den Schrank und da stand noch was viel besseres als Ölsardinen, nämlich Hering in Tomatensoße. Bisher war mir nicht klar, WIE sehr ich Hering in Tomatensoße liebe. Diese Erkenntnis wuchs erst langsam heran, während ich die leergegessene, erste Dose zum Müll brachte und selbstverständlich nach der zweiten griff, deren Inhalt kein Stück weniger phantastisch schmeckte. Und ich bin mir sicher, wäre mehr vorhanden gewesen, ich hätte weiter gegessen - ein Glück für meinen Energiehaushalt, dass mein Bruder offensichtlich nicht zu übertriebener Vorratshaltung neigt.
Jedenfalls war ich an diesem Abend insgesamt zu betrunken, um über meine neuentdeckte oder -entflammte Liebe weiter nachzudenken, aber als am nächsten Morgen mein erster Gedanke Hering in Tomatensoße galt, wurde ich schon stutzig. Richtig irritierend fand ich dann aber, dass die Sehnsucht nach Tomaten-Dosenfisch sich den ganzen Tag nicht verlor - und auch nicht am Montag, und auch nicht am Dienstag.
Und jetzt ist schon Mittwoch vormittag, ich sitze im Büro und denke immer noch an nichts anderes als an Hering in Tomatensoße, während ich irgendwelche Studenten zu irgendwelchen Veranstaltungen anmelde. (Ich muss aufpassen, dass ich statt "Matrikelnummer" nicht "Matrikelfisch" sage oder so.) Ich schaue Bilder von Hering in Tomatensoße im Internet an. Ich muss Herings-Bilder schnell wegklicken, wenn jemand an die Tür klopft. Ich schreibe Mails, in denen steht, dass ich Bilder von Hering in Tomatensoße anschaue. Ich schreibe Blog-Einträge, in denen steht, dass ich Mails schreibe, in denen steht, dass ich Bilder von Hering in Tomatensoße im Internet anschaue.

Und ich plane den Wocheneinkauf, der diese Woche zufällig auf Mittwoch nachmittag fällt...hm hm hm. Aber eine kleine Belohnung für den ersten erledigten Schritt auf dem Weg zum Studiumsabschluss sollte ja drin sein. Eine Heringswoche zum Beispiel. Na, wie klingt das!?

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Was das alles soll

"Meat & Greet" war ursprünglich ein Projekt von Anke und Marianne, zwei Studentinnen der Geisteswissenschaften, die - sicherheitshalber! - ihre Skills in guter Hausfrauenküche verbessern wollten. Zu diesem Zweck trafen sie sich mehr oder weniger regelmäßig und bekochten sich gegenseitig fleischreich, um sich danach zu betrinken. Mittlerweile hat sich das Weblog dazu zu einer Art Rezepte-Tauschbörse mit gelegentlichen Exkursen in verschiedene alltagsnahe Richtungen entwickelt.

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Zuletzt aktualisiert: 26. Nov, 21:10