Der richtige Zeitpunkt für Spekulatius

Neulich im Supermarkt hat ein Freund von mir etwas angesprochen, das mich in der ein oder anderen Variation auch schon öfter beschäftigt hat.
Ab Ende August sind in praktisch jedem Lebensmittelgeschäft Printen, Schoko-Nikoläuse, Dominosteine und vor allem die geliebten BLÄTTERKROKANTKUGELN zu haben. Wie vermutlich viele meiner Freunde habe ich als Kind jedes Jahr Sätze wie "Schrecklich, schon wieder das ganze Weihnachtszeug, das bekommt man auch jedes Jahr früher" oder "Dominosteine kaufe ich aber frühestens im November!" zu hören bekommen. (Wobei meine Mutter diese Regelung bei Marzipankartoffeln aus unerfindlichen Gründen weniger genau genommen hat...) Irgendwie habe ich damals stillschweigend akzeptiert, dass das so seine Richtigkeit hat. Und vermutlich hatte es das auch, wenn man berücksichtigt und seinen Eltern zugute hält, dass Kinder Strukturen und Rituale brauchen.
Heute handhabe ich das aber anders. Es fing an, als ich vor Jahren in brütender Hitze auf einem verlassenen Bahnsteig feststellte, dass mir "Driving home for Christmas" im Sommer viel besser gefällt als im Winter. Und seit ich die Christmas-EP-Box von Sufjan Stevens besitze, ist es praktisch unmöglich, den Weihnachtsliederkonsum auf ein paar Tage im Jahr zu beschränken. Wieso also nicht auch im Spätsommer in der Küche sitzen, Weihnachtslieder hören und Spekulatius essen? Das ist nämlich viel netter, wenn man nicht davon ausgehen kann, dass in der Wohnung nebenan gerade genau dasselbe passiert.
Ähnlich wie selber entscheiden zu können, wie lange man abends aufbleibt, ist "selbst entscheiden, wann der richtige Zeitpunkt für Weihnachtssüßwaren ist" einer der großen Vorteile des Erwachsenseins.
porcelinablue - 24. Sep, 19:56





