Neben "ich hab grad keine Lust zu kochen" gibt es einen weiteren Grund dafür, warum ich das Blog in der letzten Zeit so vernachlässigt habe. Seit letzter Woche dürfte ich (wenn es nicht so albern wäre) offiziell ein "M.A." hinter meinem Namen tragen. Toll, was? Musste also erst ein bisschen arbeiten - die letzte Prüfung hat mich doch ziemlich gestresst, dann mit verschiedenen Leuten (naja, eigentlich eher unverschieden und Singular) ein bisschen feiern, was ziemlich gut war und ist - ich sende Küsse in die Stammkneipe.
Dieses Ereignis nehme ich jedenfalls zum Anlass, einen Beitrag komplett ohne Themenbezug zu verfassen. Gerade hab ich zum Kochen einfach nicht so viel Lust, deswegen, liebe Anna-Lena, auch erstmal kein Nutella-Pralinen-Rezept - aber ich bin mir ganz sicher, dass du das auch alleine hinbekommst. (Ich möchte dann auch gerne Fotos und Anleitungen sehen.) Möglicherweise erzähle ich am Ende noch, was ich heute zu Abend esse, aber vermutlich eher nicht, denn es sieht danach aus, als gäbe es einfach irgendein aufgetautes Tiefkühl-Gemüse. Also, jetzt hab ich es ja schon gesagt.
Neben Kochen und Philosophie mag ich noch eine andere Sache, nämlich Schriften. Und zwar in allen Varationen - sowohl handgezeichnete, als auch im weitesten Sinne gedruckte, als auch die wunderschönen kleinen Buchstaben, die meine Hermes Baby (Reiseschreibmaschine von Walter Faber, dem Protagonisten aus Homo Faber von Max Frisch) zu Papier bringen kann, sofern man wie bescheuert auf die Tasten einhämmert.
Ja, ich weiß, das "e" könnte mal wieder gereinigt werden. Zu diesem Zweck steht im Stiftebecher neben mir eine Zahnbürste, außerdem hilfreich sind (vorgekaute) Kaugummis.
Ich zitiere aus Homo Faber:
Mein Hirngespinst: Magenkrebs. Sonst glücklich - Krawall der Vögel im Morgengrauen, ich nehme meine Hermes-Baby und tippe endlich meinen Unesco-Rapport, betreffend die Montage in Venezuela, die erledigt ist. Dann Schlaf bis Mittag. Ich esse Austern, weil ich nicht weiß, was tun, meine Arbeit ist erledigt, ich rauche viel zu viel Zigarren. (Daher meine Magenschmerzen.)
(Mehr Homo Faber-Hermes Baby-Zitate:
hier.)
Weil ich ja jetzt ein bisschen Zeit habe, mich mit unnützem Kram zu beschäftigen, blättere ich außerdem ganz viel in einem meiner Lieblingsbücher, nämlich
"Hand Job: A catalog of type" von Michael Perry, in dem verschiedene handgemalte Typographien verschiedener Graphiker (Typographen?) zu bewundern sind. Es sind ganz wunderschöne Schriften dabei.
Wahrscheinlich am liebsten mag ich das Katastrophen-Alphabet von
Andy Smith, in dem jeder Buchstabe durch irgendeine Art von Unfall abgebildet ist. Manchmal mag ich aber auch einfach die in Szene gesetzten Texte selbst ("Try to visualize catastrophe" ist von
Geoff McFetridge.)
Das inspiriert dazu, selber ein bisschen herumzumalen mit den tollen Copic-Markern in Graustufen, die mein Vater mir vor einiger Zeit geschenkt hat. (Beim Zitieren philosophischer Texte in schöner Schrift handelt es sich um eine Beschäftigung, die zwei meiner größten Interessen auf gute Art und Weise verbindet. Etwas platt könnte man sagen: Ich mag schöne Worte und Worte, die schön aussehen.)
(aus Ludwig Wittgenstein, Tractatus logico-philosophicus. Ich arbeite an der Regelmäßigkeit der Abstände zwischen den Buchstaben...war ja auch nur ein erster Versuch.)
Ich besitze auch ein paar unterschiedliche Federn und Tinte für kalligraphisches Herumgestümpere und ich schreibe grundsätzlich mit Füller, weil meine Fünftklässerschreibschrift in Tinte einfach viel hübscher aussieht. Und der Füller muss mein
Diplomat Esteem mit Feder in M sein - denn der ist erstens nicht teuer (ich meine irgendwas zwischen zehn und zwanzig Euro hab ich bezahlt), die Feder ist super und, was das wichtigste ist, man kann die normalen, kleinen Tintenpatronen reintun, die es für wenig Geld in großen Gläsern zu kaufen gibt. Ich hab eins zu Beginn meines Studiums erworben und es ist immernoch nicht leer. (Den Füller hingegen hab ich in der Zwischenzeit einmal gecrasht und musste ihn ersetzen.)
Kurz und gut, ich finde einfach alles toll, was mit Papier (Papier, Pappe, Klebstoff, ...) zu tun hat. Auf Papier kann man schreiben, und ich mag gern Schrift, und ich mag gern Worte. Eigentlich naheliegend, dass ich auch Buchbinden spannend finde. Hier das oben bereits angesprochene Homo Faber (Daumen hoch!), außerdem Der Zauberberg (gähn) und ein Blanko-Buch, von mir selbst mit Klebebindung in Papier/Halbleinen eingebunden in der VHS Kaarst-Korschenbroich bei einem
Buchbinde-Kurs.
Falls irgendwer von meinen Freunden viel Geld und ganz viel Platz hat, sollte der sich eine Buchpresse oder vielleicht eine Schneidemaschine, mit der man einen ganzen Buchblock zurechtschneiden kann, kaufen, wirklich. (Von wegen "Spaß an unnützem Kram"! Sowas gibts doch bestimmt bei Manufactum oder so, dieser Hochburg für unnützen Kram. Direkt neben der Maschine, in die man eine ganze Kuh einspannen und in Scheiben schneiden kann..."sehr praktisch".)
Außerdem habe ich (eben) angefangen, mittels primitiver Moosgummibuchstaben, die ich selbst entwerfe und ausschneide, einen eigenen kleinen Schriftsatz zu basteln. Nein, das ist zu nichts gut und man kann nicht viel damit anfangen, aber das macht nichts. (Ich habe ein abgeschlossenes Studium, ich darf meine Zeit vertrödeln! - Nee, ehrlich gesagt
muss ich meine Zeit gerade ein bisschen vertrödeln, denn bis ich anfangen darf zu arbeiten, dauert es noch ein paar Wochen. Nicht dass ein falscher Eindruck entsteht. Ich war aus Langeweile auch schonmal in der Bib und hab einen Text gelesen...) Vielleicht versuche ich es auch mal mit Radier- oder Stempelgummis und schnitze ein bisschen, wenn ich sowas irgendwo günstig entdecke.
Außerdem dachte ich darüber nach, auf Ebay einen Satz Bleilettern zu erwerben. Da ich aber keine Ahnung vom Drucken habe und, wie man sich leicht denken kann, auch keine Druckerpresse besitze, habe ich eigentlich wirklich keine Verwendung dafür und nehme von diese Idee wahrscheinlich wieder Abstand. (Oder? Ist jemand anderer Auffassung? Kann ich das gebrauchen?)
Zur weiteren Inspiration hier ein paar Links zu den Seiten von Leuten, die was von Schrift und Design verstehen oder einfach gute Sachen aus und mit Papier machen und die man für ihre kreativen Fähigkeiten bewundern kann:
Small Caps
Dorobot
(Der Kalender, den man unter "Selbermachen" -> "Spezialkalender" ausdrucken und an die Wand pinnen und ausmalen kann, ist lustig. Ich gedenke auf diesem Wege die These zu verifizieren, dass Wochenenden immer blöd, Montage hingegen meistens völlig in Ordnung sind.)
Hannafaktur
Buch-Kunst-Papier (Laden mit schönen Dingen)
Schönen Rest-Wintertag wünsch ich!
Meiner geht weiter mit vielversprechenden Vorträgen in der Uni und vielleicht Freundinnen und Filmen (naja, beides eigentlich wieder eher Singular). Und morgen haben meine dreijährige Freundin und ich ein Puzzle-Date (mit Mama natürlich). Ich hab da nur irgendwas von Zügen und Maulwürfen verstanden, klingt spannend. Eigentlich wirklich ganz gut...bei Licht besehen. (Ist ja auch Montag und montags ist gut.) Ansonsten ist
fertig studiert haben nämlich ein bisschen
langweilig.